






Der anhaltende technologiegetriebene Wandel und seine Auswirkungen auf den Menschen, die Gesellschaft und das Wirtschaftssystem werden hierzulande bereits als dritte industrielle Revolution bezeichnet und gelten als Beginn eines digitalen Zeitalters. Inzwischen haben sich verschiedene synonym verwendete Begriffe etabliert, die allesamt versuchen dieses Phänomen zu beschreiben oder in die Unternehmenspraxis zu übersetzen. Eine vergleichsweise neue Wortschöpfung ist der Ausdruck „Digitaler Darwinismus“. Nach Darwin können langfristig nur solche Geschöpfe überleben, die sich am besten an die veränderten Lebensbedingungen anpassen.
Übertragen wir diesen Zusammenhang auf den Kontext der Digitalisierung, so folgt, dass langfristig nur solche Unternehmen überleben werden, denen es gelingt, sich an die veränderten Rahmenbedingungen des digitalen Zeitalters anzupassen. Unternehmen, denen es nicht gelingt, neue Technologien für das eigene Geschäftsmodell zu adaptieren oder gewinnbringend einzusetzen, werden durch neue Wettbewerber und innovative Start-ups verdrängt – sie sterben aus! Der damit verbundene Veränderungsdruck ist bereits spürbar.
Dabei sieht sich besonders der deutsche Mittelstand vielfach mit dem Vorwurf konfrontiert, diesen wichtigen Trend verschlafen zu haben und langfristig ins Hintertreffen zu geraten. Aktuelle Studien¹zeigen hingegen, dass ein Großteil der Unternehmen die Dringlichkeit, sich einer digitalen Transformation zu unterziehen, bereits erkannt hat, um das eigene Fortbestehen zu sichern. Allerdings befinden sich viele Unternehmen noch am Anfang dieser Transformation und haben bisher nur zaghafte/vereinzelt Initiativen oder erste Pilotprojekte auf den Weg gebracht. Die Potenziale werden längst nicht ausgeschöpft. Als Hauptursache geben die Unternehmer an, mit der Entwicklung einer geeigneten Digitalisierungsstrategie überfordert zu sein. Zu groß ist die Angst, das ohnehin schon begrenzte Innovationsbudget in Projekte zu investieren, deren Erfolgswirkung ungewiss ist.
Wo sollten Führungskräfte nun also mit der Transformation ihres Unternehmens beginnen? Wie begegnen sie den vielfältigen Herausforderungen der Digitalisierung? Wie minimieren sie die finanziellen Risiken? Eine geeignete Antwort bietet ein digitales Reifegradmodell, um den Standort des Unternehmens zu bestimmen und die Ressourcen auf die dringendsten Handlungsfelder zu konzentrieren. Nur wenn Unternehmen in der Lage sind, die Schwachstellen ihrer Organisation zu benennen, können sie geeignete Maßnahmen auf den Weg bringen, um die nächste Stufe der Digitalisierung zu erreichen und ihr Überleben zu sichern.
Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff Reifegradmodell? Hierbei handelt es sich um eine Verfahrensmethodik, die eingesetzt wird, um den aktuellen Fortschritt eines Unternehmens in einem spezifischen Kontext zu bestimmen. Das Modell gibt vor, welche Eigenschaften des Unternehmens zu messen sind und rechnet diese in diskrete Rangstufen auf einer vordefinierten Reifeskala um.
Ein Beispiel wäre ein Reifegradmodell, welches die „Nachhaltigkeit/Ökologische Verantwortung“ eines Unternehmens festhält. Anhand des Reifegrads kann gemessen werden, ob ein Handwerksbetrieb Ressourcen schonend agiert, ob Energiesparmaßnahmen verfolgt werden oder auf einem sehr geringen Level überhaupt Mülltrennung/fachgerechte Entsorgung von Bauabfällen durchgeführt wird. Die Reifegradbewertung dient als Momentaufnahme und weist auf akute Schwachstellen hin, die ein Unternehmen dabei bremsen sich im betrachteten Anwendungsfeld weiterzuentwickeln.
Zur Entwicklung des Reifegradmodells im Kontext der Digitalen Transformation gilt es zu erörtern, welche Hindernisse dazu führen, dass nicht wenige Unternehmer angeben, mit den erforderlichen Veränderungen der Digitalisierung überfordert zu sein. Das können bspw. unzureichend qualifizierte Mitarbeiter (IT-Kompetenzen und darüber hinaus), starre/veraltete Organisationsstrukturen (Ablauf- und Aufbauorganisation), kulturelle Defizite (mangelhafte Offenheit gegenüber Wandel/Technologie etc.) oder Unsicherheiten über zukünftige relevante digitale Standards sein.
Die wichtigsten Digitalisierungshemmnisse sind zu identifizieren und geeignete Gegenmaßnahmen in das Reifegradmodell zu integrieren. Viele Reifegradmodelle neigen dazu, den technologischen Aspekten eine zu hohe Bedeutung beizumessen und in Folge dessen wichtige Unternehmensbereiche vernachlässigen. Zudem verzichten viele dieser Modellentwicklungen auf eine wissenschaftliche Herangehensweise, sodass die Angebote größtenteils als reine Marketinginstrumente anzusehen sind.
Die fme AG hat die vielfach bewährte Methodik der Reifegradmessung auf den Kontext der digitalen Transformation übertragen und ein Modell entwickelt, das es ermöglicht, den Digitalisierungsfortschritt der Unternehmen der Kunden zu bestimmen.
Der Entwicklungsprozess erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Informationsmanagement der TU Braunschweig, geleitet von Frau Prof. Dr. Robra-Bissantz. Diese Kooperation stellte sicher, dass das Reifegradmodell praxisnahe Ansätze bietet und zugleich über ein solides wissenschaftliches Fundament verfügt.
So folgte der Entwicklungsprozess den strengen Richtlinien der Design Science Research Methodik nach Hevner et al. (2004)². Hierbei handelt es sich um einen lösungsorientierten Forschungsansatz, der darauf abzielt, praxisrelevante Problemstellungen im Umfeld von Informationssystemen zu lösen.
Bei der Entwicklung des fme Reifegradmodells wurde ein umfangreicher, multimethodischer Entwicklungsansatz³gewählt. Auf Basis einer ausführlichen Literaturrecherche wurden anerkannte Unternehmensforschungsmodelle („7S Model“ von McKinsey, das „Star Model“ von Galbraith, das „Six Box Model“ von Weisbord, das „Congruence Model“ von Nadler und Tushman sowie das „Burke-Litwin Model“) betrachtet und durch Experteninterviews auf den Kontext der Digitalisierung übertragen. In einer Reihe von Expertenworkshops wurden die Ergebnisse verdichtet und zu einem finalen Reifegradmodell konsolidiert. Die folgende Abbildung zeigt Ihnen die umfassende Modelltiefe auf, durch welche eine ganzheitliche Analyse der Unternehmen der Kunden sichergestellt wird:Haben auch Sie Interesse daran, den Standort Ihres Unternehmens im Digitalisierungsumfeld zu bestimmen? Dann informieren Sie sich gerne auf der Landingpage der fme AG oder nehmen Sie direkt 🡪 Kontakt auf!
Landingpage Digitaler Reifegrad
Mehr über die Forschungsaktivitäten des Lehrstuhls für Informationsmanagement