






Wir kennen es alle aus unserem
Umfeld – wenn es um technologischen Fortschritt geht, sind Skeptiker mindestens
genauso weit weg wie Befürworter. Eben jene die meinen, dass manche Neuerungen
gar nicht von Nöten sind, da der aktuelle Status bei weitem ausreiche.
Stellen Sie sich vor, Sie sind im Jahr 1985 und wollen eine Ferienwohnung für den Urlaub anmieten und anschließend mit dem Taxi in die Stadt fahren, um sich mit Ihren Freunden zum Essen zu treffen. Wie würden Sie vorgehen? Sie würden vermutlich die Zeitung aufschlagen, nach aktuellen Inseraten Ausschau halten und herumtelefonieren, bis die (hoffentlich) passende sowie schöne Ferienwohnung gefunden ist. Im Anschluss werden Sie zum Telefonbuch greifen und ein lokales Taxiunternehmen anrufen, um Ihren Beförderungswunsch zu äußern – sofern Sie denn durchkommen. Wenn Sie durchkommen, dürfen Sie mit Sicherheit eine ordentliche Stange Geld hinlegen, um von A nach B zu kommen. Und das soll jetzt wirklich besser sein, als der heutige Status Quo? Für den einen oder anderen – warum auch immer - vielleicht! Mir, als digital Native, schwitzen allerdings bereits schon beim Schreiben die Hände von dem Stress.
2019 ist das doch alles dank
digitaler Technologien irgendwie wesentlich entspannter! Meine Freunde und ich
wollen für ein Wochenendtrip nach Prag und suchten hierfür eine Wohnung. Über
Airbnb haben wir eine super schöne und preiswerte Ferienwohnung gefunden und
schnell gebucht. Nachdem die Buchung erfolgreich war, wollte ich mir noch eben
ein paar neue Schuhe in der Stadt kaufen. Den Bus habe ich wie immer verpasst, jedoch
einfach kurz Uber auf meinem Smartphone geöffnet und siehe da – ein Uberfahrer
ist nur ein paar Straßen um die Ecke. Schnell gebucht, dank Livetracking nicht
einmal am Auto vorbeigelaufen und ich kam noch rechtzeitig in der Stadt an.
Das eine Unternehmen bietet mir die Möglichkeit von A nach B zu kommen und das andere auch bei B zu bleiben, da ich hierdurch eine Übernachtungsmöglichkeit finden kann. Eigentlich sind das doch zwei Paar Schuhe, oder? Nicht ganz, denn Uber und Airbnb sind nicht nur das wertvollste bzw. zweitwertvollste StartUp der Welt mit einem Wert über 18 bzw. 10 Milliarden US-Dollar, sie basieren beide vielmehr auf digitalen Plattformen. Dies sind nur zwei Praxisbeispiele aus unserem Alltag, wie digitale Plattformen immer mehr Aufgaben für die Wirtschaft und den Alltag übernehmen. Google, Amazon, Facebook, Apple und Spotify sind weitere Beispiele für neue, plattformbasierte Geschäftsmodelle, welche die Wirtschaft ankurbeln und das Leben der Menschen vereinfachen.
Digitale Plattformen fungieren als (virtuelle) Schnittstelle zwischen Unternehmen und Kunden, ihren Partnern sowie Mitarbeitern. Charakteristisch für digitale Plattformen ist in diesem Zusammenhang ihre Netzwerkstruktur. Die Teilnehmer tauschen hier Informationen aus und sind miteinander vernetzt. Daraus resultiert, dass der Nutzen und die Attraktivität einer Plattform mit zunehmender Teilnehmeranzahl steigt. Um die wichtigsten Prozesse und Funktionen einer digitalen Plattform identifizieren zu können, muss vorab das Geschäftsmodell jener Plattform entwickelt werden. Hierbei werden sowohl die Prozesse und Funktionen festgelegt, als auch die Rollen und Erlösgenerierung definiert. Die Digitalisierung von Prozessen bildet für die Umsetzung einer digitalen Plattform eine elementare Rolle. Schließlich ist eine digitales Geschäftsmodell erst durch digitale Prozesse möglich. Die Digitalisierung von Prozessen kann demzufolge als internes Bindeglied der Wertschöpfungsketten digitaler Plattformen verstanden werden.
In den nachfolgenden Beiträgen möchten wir Ihnen gerne verschiedenen plattformbasierte Geschäftsmodelle vorstellen und ihre Besonderheiten sowie ihren Mehrwert näher bringen. Hierbei stellt sich die Frage, inwiefern diese Geschäftsmodelle in die Service Canvasfür personennahe Dienstleistungen einzuordnen sind. Fest steht eine Sache allerdings bereits jetzt: immer mehr neue Technologien, wie die der digitalen Plattformen, können zur Weiterentwicklung und Gestaltung von Dienstleistungen genutzt werden. Inwiefern einige Sektoren in der Dienstleistungsbranche das Potenzial der Digitalisierung gegebenenfalls noch nicht für sich erschlossen haben, wird sich in den folgenden Beiträgen zeigen.